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Vom 3. Dezember 2011 bis 8. Januar 2012 an der "Auswahl 11" im Kunsthaus Aarau.
Vernissage: 2. Dezember 2011, 18.00 Uhr.
Gedanken zu meiner Arbeit
Ich möchte, dass meine Bilder für die Käufer/innen wie ein Fenster sind. Man betrachtet die Aussicht, die man aus diesem Fenster hat, tagtäglich. Mit der Zeit gehört diese Aussicht zum Heimatgefühl. Das Praktische an dieser Heimat ist, dass man sie mitnehmen kann, wenn man umzieht.
Zufällig habe ich an einem Julitag gesehen, wie prächtig meine Wiese aussieht: Feuerrroter, zartblättriger Mohn, der bei jedem Windchen zittert. Fruchtkörper, die aussehen wie preziöse Behälter, die etwas ganz Kleines aufbewahren.
Ich beschliesse, die Wiese zu malen. - Eine Woche später ist draussen die ganze Schönheit weg. Es hat geregnet, der Mohn ist entblättert, die Nachtkerzen braun. Die ganze Prachtentfaltung für zwei bis drei Tage. Eine Riesenverschwendung. Niemand ausser mir hat es geschehen. Es spielte sich fern vom Weltgeschehen ab. Die Presse hat nicht davon berichtet.
Ich male sechs Monate, um diesen atemberaubenden Moment festzuhalten.
Ich liebe die Wiese, die ich male. Ich streichle mit dem Pinsel den Stoff so lange, bis die Gräser und Blumen so aussehen, dass sie mit ihrem Abbild zufrieden wären. Es sind Portraits.
Von 1974 bis 1994 fuhr ich nicht mehr Auto. Die Zerstörung der Wälder, und dass niemand ernsthaft etwas dagegen unternimmt, machte mich wütend. Ich kann einem Baum noch in die Augen schauen, denn ich habe mich in meinem Rahmen bemüht. 1981 kreierte ich neue Fahnen: Die neue grosse Schweizerfahne mit dem Titel: - Neue, grosse Schweizerfahne.
Sie wurde von der Eidgenossenschaft in Auftrag gegeben, als unsere drei wichtigsten Ziele: Reine Luft, sauberes Wasser und unverschmutzter Boden erreicht worden waren.
Neue, grosse Aargauerfahne, Titel: Aargau, Land der Ströme, du hast als erster Kanton die drei wichtigsten Ziele: Reine Luft, sauberes Wasser und unverschmutzter Boden erkannt und umgesetzt. Natürlich war das überhaupt nicht der Fall. Ich bekam zwar für die Arbeiten einen Kuratoriumsbeitrag, aber vom Thema redete niemand.
Es liegt mir nicht, mit Zerstörung auf Zerstörung zu reagieren. Ich versuchte und versuche es immer wieder mit Beschwörung. Ich beschwöre Schönheit. Schönheit sei kristallisierte Liebe, sagte ein Philosoph des 20. Jahrhunderts. Aus Liebe entsteht Frieden. An dieser Arbeit bin ich dran.
Annelise Zwez im "Kunstbulletin" 3/2011:
Wenn sie ein «heiliger Schauder» erfasse, dann fotografiere sie und dann male sie, bis er wieder da sei, sagt Christine Knuchel, die aktuell einige Wiesenstücke zeigt. Mit der Präsentation von Knuchels Schaffen verabschiedet sich Elisabeth Staffelbach aus dem Galeriebetrieb.
Zürich — Im Zentrum der Ausstellung stehen neue, teils grossformatige Wiesenstücke. Es sind minutiös gemalte Blicke in frühsommerliche Wiesenpartien unweit der beiden Wohnorte von Christine Knuchel im aargauischen Gontenschwil respektive im bündnerischen Mathon. Sie als fotorealistisch zu bezeichnen trifft die \/orgehensweise der Künstlerin nicht exakt. Sie projiziert ihre Fotos nicht auf die Leinwand. Sie dienen ihr lediglich als eine Art Vergewisserung der kurzen Zeitspanne, in der sie erlebte, wie das Licht die blühende Natur über sich selbst zu erheben schien. Die 67-jährige Künstlerin spricht von «Unio mystica», um zu beschreiben, was sie antreibt. Und sie schreckt nicht vor der Zeit, die sie braucht, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen; oft malt sie monatelang an ein- und demselben Bild, mit feinen und feinsten Pinseln. «Ich brauche dieselbe Zeit, um zu malen, wie die Blumen und Gräser, um zu wachsen», lacht sie.
Die Botanik spielt eine gewisse Rolle; das „Dritte grosse Wiesenstück“ von 2009/10 ist nicht zuletzt eine Hommage an den Fingerhut, so wie das erste den Mohn hervorhob und das zweite die Malven zu Protagonisten machte. Die neue „Grosse Bergwiese“ erleuchtet unter anderem den Sauerampfer; nicht zufällig ein so genanntes Unkraut. Doch das «Glücksmoment», das Knuchel sucht, ist emotionaler Natur, das Sich-eins-Fühlen mit dem Bild. Originaltreue ist dabei nicht zwingend. Ohne zu zögern, verändert sie Proportionen, um Bedeutung herauszuschälen, oder sie lässt hinter der Wiese einen Wald wachsen, wo vor Ort eigentlich Obstbäume stünden. Denn der Wald ist dunkler und lässt so das einfallende Licht besser hervortreten. Wie eins der Romantik, ist in ihren Bildern das Gegenlicht oft Quelle der Magie. Viele Wiesenstücke haben ein panoramaartiges Format. Knuchel verweist dazu auf die Proportionen ihres Aargauer Ateliers, doch wichtig sei ebenso, dass wir den Kopf drehen, ein Blick ausweiten müssten, um das ganze Bild zu sehen.
Die Ausstellung hat auch eine besondere kulturelle Dimension. Mit ihr geht eine 32-jährige Schweizer Galerie-Geschichte zu Ende. 1978 hatte Elisabeth Staffelbach in Lenzburg die Galerie Brättligäu gegründet; später zog sie ins „Bahnhöfli“, dann nach Aarau. 2008 ging sie mit Esther Hufschmid eine Gemeinschaft in Zürich ein, die nun aufgelöst wird. Staffelbach zeigte stets Kunst am Puls der Zeit, ebenso als dem Aargau wie der ganzen Schweiz. Immer auch junge Kunst zu zeigen war ihr bis zuletzt wichtig. |